Angefangen hat alles damit, dass ich mein Handy in die Spree warf.
Ne, vielleicht hat es auch so angefangen dass ich im Februar bei einer Wunderheilerin war, zu der mich eine schwangere Freundin geschickt hatte. Die legte meine Hände an so Dräte, maß meine Aura, und behauptete dann, ich hätte Kortisonüberschuss und sei wohl ganz schön gestresst. Ich solle mich mal entspannen.
Dabei war ich nur wegen ein paar Pickeln hingegangen.
Okee, man nehme:
7 Wäscheklammern
Haargummis
ein Regencape
Gaffatape
feste luftidichte Müllsäcke
Schlafsack.
Damit bin ich im Juli losgezogen. Ich hatte nämlich vorschnell mein Zimmer untervermietet und war deswegen wohnungslos, aber das ist eine andere Geschichte. Wie es die freundlichen Umstände, die mein Leben bestimmen, so wollen, arbeite ich draußen in Potsdam. Da ist viel Wald. Und Wasser. Wenn man den Badetouristen aus dem Weg geht, ist es sogar still. Das einzig Laute sind die Moskitos.. aber die härten einen irgendwann ab.
Im Laufe des Monats hab ich dann, zusätzlich zu meinem Händi auch noch meinen Geldbeutel verloren, mein Semesterticket, ein paar Klamotten, und ich bekam wegen einer MIni-Blutvergiftung einen dicken großen Zeh, sodass ich keine Schuhe mehr tragen konnte.
Dafür war ich jeden morgen baden.
Und hab ein paar sich sonnende Yacht-Opis im Wannsee geärgert.
Ein mal wollte mich die Wasserwacht retten. Die riefen, ich solle nicht so weit rausschwimmen so spät abends und behaupteten auch noch, es würde donnern. Ich sagte, sie sollen sich zum Teufel scheren mit ihrem stinkenden Knattermotor, ich käm hierher wegen der Natur.
- Das mag nun nach einer irgendwie anstrengenden Situation klingen, aber mit jeder Sache (und mit jedem Schuh) die ich irgendwo liegen ließ, fühlte ich mich ein Stück leichter. (Falls sich jemand an das Märchen von Hans im Glück erinnert) Nach diesem Monat bin ich vollkommen stressfrei.
(Natürlich war ich trotzdem jeden Tag bei der Arbeit, und es gibt mindestens vier Leute mit großen Herzen, bei denen ich pennen kann. Die Regenzeit hab ich bei Rike verbracht und wir haben Playstation gespielt, mit Fingerfarben gemalt und ähnlichen Blödsinn getrieben.)
Hier mein Schlafplatz Nummer vier:
Eines Morgens an einem Donnerstag wachte ich nach einem Alptraum auf, ich lag an einem Strand, und es roch nach Karpfen, und regennasser Kohe; und eine Spinne hatte ihr Netz in einem meiner Nasenlöcher gesponnen. Da dachte ich mir, es ist wieder an der Zeit, nach Hause zurückzukehren.
Dann dachte ich , was für ein glücklicher Zufall das ist, dass ich in einer Welt lebe, in der ich jeden Tag tun und lassen kann, wonach mir der Sinn steht, und musste lachen.
Die Müllsäcke und das Tape braucht man, falls man mal mit Sack und Pack ein Wasser überqueren muss und keine Brücke in SIcht ist.
PS: "ZuhAuse" hat sich bei neuerer Betrachtung als sich verge-selbständigtes regenbogenfarbenes Biotop herausgestellt ..
Hier haben sich astrologiebewandte italienische, portugisische, ostfriesische Tänzer, Opernsänger, Maler und Yogalehrerinnen eingenistet; es ist ein nie endender Durchlauf und ich schlafe auf dem Sofa. Es scheint ihnen zu gefallen weil die meisten unserer Besucher beschließen kurz darauf, tatsächlich nach Berlin zu ziehen. Und mir auch. ich krieg immer was zu essen ab.